Das Thema
INSEKTEN FÖRDERN
Im Garten
Mittlerweile findest du in jedem Gartencenter eine Ecke, die mit «Insekten fördern» angeschrieben ist. Aber Achtung: Lang nicht jede Pflanze, die als bienenfreundlich beschriftet ist, bringt den Bienen wirklich etwas. Und die meisten Nisthilfen im Verkauf sind nahezu wertlos. Hier sind die sechs grössten Hebel, mit denen du Wildbienen und andere Insekten im Garten aktiv fördern kannst:
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Viele Insekten sind auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert – allein unter Schmetterlingsraupen, Blatt- und Rüsselkäfern, Wanzen und Zikaden gibt es Hunderte spezialisierte Arten. Einheimische Bäume und Sträucher wie Eichen, Weiden oder Schwarzdorn bieten jeweils Dutzenden dieser Arten Nahrung und Lebensraum. Dazu kommt eine breite Vielfalt an holzbewohnenden Insekten, die sich dort tummeln.
Auch das Überleben der allermeisten Gartenvögel hängt von Bäumen und Sträuchern ab – und zwar von denen, die sie kennen. Viele Vögel sind Gewohnheitstiere, wie der Gimpel, der ganz bestimmte Samen und Beeren sucht. Andere, zum Beispiel alle Meisen, sind auf hohe Dichten von Raupen und Blattläusen angewiesen, die sie auf den meisten exotischen Gehölzen nicht finden.
Welche einheimischen Gehölze für deinen Garten die richtigen sind, zeigt dir der Gratis-Pflanzenfinder www.regioflora.ch. -
Ein Rasen ist perfekt für Hunde und kleine Kinder, aber eine grüne Wüste für fast alle anderen Lebewesen. Dazu kommt, dass ungenutzte Rasen entweder sehr viel Wasser und Arbeit verschlingen oder bald nicht mehr schön aussehen. Würden alle Schweizer Rasen, die nicht mehr bespielt werden, in Blumenwiesen umgewandelt, wäre die so entstandene Wiesenfläche grösser als der Kanton Genf. Und sie würde ausreichen, um Hunderte im Mittelland selten gewordene Wiesenbewohner wie den Schachbrettfalter, die Knautien-Sandbiene oder die Lauchschrecke wieder häufig werden zu lassen. Also: Lass deinen Rasen vom Gärtner abfräsen und säe darauf eine artenreiche Wiesenmischung aus!
Aber Achtung: Blumenwiesen anlegen, braucht etwas Fachwissen. Nicht jede Wiesenmischung eignet sich für jeden Standort. Welche artenreiche Wiesenmischung in deinen Garten passt, zeigt dir wiederum www.regioflora.ch.
Ebenso wichtig ist der richtige Zeitpunkt der Aussaat. Wenn du nicht gerade hoch oben in den Alpen wohnst, dann säe unbedingt in einer regenarmen Woche, entweder im frühen Frühling oder im Herbst nach dem ersten grossen Herbstregen. An den meisten Orten ist die Sommertrockenheit schlimmer für die jungen Wiesenblumen als der Frost.
Auch für die Wiesenpflege gibt es ein paar wichtige Punkte zu beachten, oder der Blütenreichtum nimmt schnell wieder ab. Eine sehr gute Anleitung zur Wiesenpflege hat die Stadt Bern erarbeitet. -
Nährstoffarme Böden haben mehrere Vorteile. Sie wachsen zum Beispiel nie vollständig zu. Die kahlen Stellen zwischen den Pflanzen dienen mehr als 300 einheimischen Wildbienenarten sowie unzähligen anderen Insekten als Nistplatz.
Nochmals wichtiger: Auf mageren Böden haben Pflanzen nicht unbegrenzt Nährstoffe und Energie, um ihre Nachbarn zu verdrängen. So können auf einem einzigen Quadratmeter mehr als vierzig verschiedene Pflanzen wachsen. Viele konkurrenzschwache Pflanzen haben sich auf solche Orte spezialisiert und wachsen nirgendwo anders. Darunter sind auch bedeutende Nahrungsquellen für Insekten, wie das Berg-Sandglöckchen, an dem über 50 verschiedene Wildbienenarten Pollen sammeln. Oder der Hufeisenklee, der einem guten Dutzend Schmetterlinge als Raupennahrung dient.
Pflanzen auf mageren Böden können sich auch weniger gut gegen Insekten wehren, sei es mit Dornen, Düften oder Gift. Der Weissdorn, der Kleine Sauerampfer und die Bunte Kronwicke kommen zum Beispiel auf allen möglichen Böden vor. Aber nur, wo sie wenig Nährstoffe finden, sind sie Raupennahrung für den Segelfalter, den Heufalters oder diverse Bläulinge.
Leider werden Gärten standardmässig mit einer dicken Schicht Humus gestaltet. Magere Stellen sind selten – aber das kannst du ändern. Zum Beispiel mit folgenden Massnahmen:Steht bei dir noch ein Sandkasten rum, der nicht mehr benutzt wird? Bepflanz ihn doch mit ein paar Wildpflanzen, die magere, sandige Stellen lieben. Zum Beispiel mit Sandglöckchen, Sonnenröschen, Hasenklee, Wilder Möhre, Rosmarin-Weidenröschen und Hufeisenklee.
Wenn du einen Kiesweg oder einen Kiesplatz im Garten hast: Brauchst du da die ganze Fläche, oder stehst du an gewissen Rändern eh nie? Dann kannst du dort eine Ruderalflächen-Mischung aussäen und wertvolle Wildblumen blühen lassen. Ökologisch sinnvolle Mischungen gibt es bei Artha Samen, UFA und Otto Hauenstein Samen.
Schotterbeete lassen sich mit wenig Aufwand zu blühenden Magerbeeten umgestalten. Einfach das Unkrautvlies entfernen, 25-30 cm mageren Boden direkt über den Schotter schütten (Wandkies oder Schlämmsand, gibt es beides für sehr wenig Geld in der nächsten Kiesgrube), drei bis vier Wochen setzen lassen und dann eine Ruderalflächen-Mischung darauf aussäen. Genau gleich geht es mit der Steinpackung an der Hauswand – nur noch einfacher, weil dort kein Vlies liegt.
Wenn du einen Neubau planst: Leg im Gespräch mit dem Architekten von Anfang an fest, welche Teile des Gartens mit Humus gestaltet werden sollen und welche mit magerem Unterboden. Wenn du das früh genug planst, kostet es dich keinen Rappen.
Die grösste Fläche für magere Lebensräume sind aber unsere Dächer. Wenn du ein Gebäude mit Flachdach planst, dann sorge dafür, dass es mindestens 15-30 cm Bodengrund tragen kann, und säe eine artenreiche Dachkräutermischung darauf an. Gute Mischungen gibt es wiederum bei Artha Samen, UFA und Otto Hauenstein Samen. Darunter sind auch Solardach-Mischungen, die sich bestens mit Photovoltaik kombinieren lassen. Begrünte Dächer kühlen Solaranlagen und erhöhen ihren Wirkungsgrad an warmen Sommertagen um bis zu 10%. Zudem isolieren sie das Dach und halten bei Starkregen Wasser zurück.
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Kleine Gewässer verbessern nicht nur das Quartierklima, sie sind auch für Insekten enorm wichtig. Diverse wichtige Insektengruppen wie Libellen, Köcherfliegen, Eintagsfliegen oder Steinfliegen leben als Larve im Wasser. Andere Insekten wie Honigbienen oder Bläulinge nehmen gerne am Ufer Wasser auf. Ein Teich mit geraden Betonwänden ist für all diese Insekten eine Falle. Ein insektenfreundlicher Teich kann jede Grösse haben, er kann durchgehend Wasser führen oder im Sommer austrocknen – aber er hat auf jeden Fall flache Ufer, die zumindest teilweise mit Wasser- und Sumpfpflanzen bewachsen sind. Besonders wertvoll sind Teiche mit grösseren Flachwasser- und Sumpfzonen, in denen Insektenmagneten wie Blutweiderich, Abbisskraut, Bach-Kratzdistel, Wasserminze und Sumpf-Hornklee in grösserer Zahl wachsen. Richtig gute Tipps für die Anlage von Teichen, Tümpeln und Sumpfbeeten bietet wiederum die Stadt Bern.
Und wenn du jetzt eine Invasion von Mücken befürchtest: Ja, auch diese entwickeln sich im Wasser. Aber richtig zahlreich werden sie nur da, wo sie kaum Feinde haben. In einem gut gebauten Teich werden sie von Libellenlarven, Wasserkäfern, Wasserwanzen und Amphibien in Schach gehalten. -
Nicht nur Bäume, Sträucher und Wiesenblumen haben ihre spezialisierten Bestäuber und Pflanzenfresser. Auch mit einheimischen Stauden in Blumenbeeten, Töpfen und Kübeln kannst du den Insekten eine Freude machen. Welche Stauden in deinen Garten passen, zeigt dir der Gratis-Pflanzenfinder www.regioflora.ch. Wenn du gefährdete Wildbienen speziell fördern möchtest, hilft dir das ebenfalls kostenlose Web-Tool www.bee-finder.ch.
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Wildbienen fehlt es viel eher am Blütenangebot als an Nistplätzen. Aber Nistplätze brauchen sie natürlich auch… nur tragen die überall verkauften «Wildbienenhotels» kaum etwas dazu bei. Die meisten sind miserabel gebaut, und sogar in den besten können kaum 5% der heimischen Wildbienen nisten. Die grosse Mehrheit der Wildbienen baut ihre Nester im Boden, genauso wie Hunderte andere Insekten. Hier sind ein paar Nisthilfen, die wirklich helfen:
Die mit Abstand beste Wildbienen-Nisthilfe ist ein gut besonntes, 30-50 cm tiefes und 50-100 cm breites Loch im Boden, das du bis weit über den Rand mit Schlämmsand auffüllst. Schlämmsand ist lehmhaltiger Sand, günstig erhältlich in fast jeder Kiesgrube. Der «Wildbienensand» aus dem Baumarkt ist genau dasselbe, nur x-mal teurer.
Die zweitbeste Nisthilfe ist ein aufrechtes, 30-100 cm langes und mindestens 20 cm dickes Stück von einem Ast oder Baumstamm, intakt mit Rinde, am besten hartes Laubholz wie Eiche, Esche, Buche oder Obstbäume. Auf der Süd-, Südost- und Südwestseite werden Löcher mit etwa 10 cm Tiefe und verschiedenen Durchmessern zwischen 2 und 8 Millimetern in die Rinde gebohrt, um Wildbienen jeder Grösse einen Brutplatz zu bieten. Das Holzstück wird an einem trockenen, sonnigen Ort aufgestellt. Um es etwas länger haltbar zu machen, kannst du die Schnittfläche des Holzstücks mit einem Stück Blech oder Plexiglas abdecken.
Weitere Elemente, die von gewissen Wildbienen als Nistplätze genutzt werden, sind Steilwände aus Lehm oder Sand, Trockensteinmauern, Felsen und grosse Steine, senkrecht aufgestellte Markstängel (besonders jene von Brombeeren, Königskerzen und Rosen), Strangfalzziegel, leere Schneckenhäuschen am Boden und sauber angeschnittene Schilf- und Bambusröhrchen, die nur auf einer Seite offen sind. Hummeln nutzen grössere, regengeschützte Hohlräume wie Mauslöcher, Vogelnistkästen, Fels- und Mauerspalten oder Lücken in Holzlagern und Heustöcken.
Die in «Insektenhotels» so beliebten Abteile mit Backsteinen, Kiefernzapfen, gestapelten Schneckenhäuschen und Holzwolle dienen hingegen keiner Wildbiene und auch sonst praktisch keinem Insekt als Kinderstube. Auch die meisten im Handel erhältlichen Hummelnester werden kaum besiedelt.
Wichtige Nisthilfen für andere Insekten:
Tausende Käfer- und Fliegenarten, Holzbienen, Holzwespen und diverse andere Insekten nutzen Totholz als Kinderstube. Hier gilt generell: Je dicker, desto besser. Laubholz beherbergt andere (und deutlich mehr) Arten als Nadelholz. Und in Totholz unter der Erde wachsen nochmals andere Käferarten heran als über der Erde.
Ein ideales Käferhotel besteht aus dicken Ästen, Stämmen und Wurzelstöcken verschiedener Bäume, von denen ein Teil in den Boden eingegraben wurde. Es ist von weissen Doldenblütlern wie Wilder Möhre, Wiesenbärenklau, Engelwurz, Bibernelle und Giersch umgeben, die den frisch geschlüpften Käfern und Fliegen Nektar und Pollen liefern.Kleine Laubhaufen und gut gepflegte Komposthaufen dienen ebenfalls einer Handvoll Insektenarten als Kinderstube, beispielsweise gewissen Rosenkäfern und Schwebfliegen.
Die meisten anderen Insekten entwickeln sich im Wasser, im Boden oder an Pflanzen. Mit einem naturnah gestalteten Garten deckst du ihre Kinderstuben bereits ab.
Auf folgende Dinge sollte man hingegen unbedingt verzichten:
1. Pestizide
Dazu zählen nicht nur Insektenvertilger, sondern auch Fungizide und Herbizide, von denen viele auch für Wasserinsekten und Bestäuber giftig sind. Und auch diverse für den Bioanbau zugelassene Mittel sind nicht gerade unproblematisch für Insekten. Zum Beispiel Kupfer, Schwefel oder das Buchsbaum-Spritzmittel «Delfin», das nicht nur den Buchsbaumzünsler tötet, sondern jede Schmetterlingsraupe im näheren Umkreis.
Kräuter, Gemüse, Früchte und Beeren kannst du sehr gut ohne Pestizide ziehen, indem du eine grosse Arten- und Sortenvielfalt anpflanzt, die gut an die Standortbedingungen angepasst ist. Achte dabei auch darauf, welche Arten du nebeneinander setzt. Unter dem Stichwort «Mischkultur» gibt es im Netz und in der Literatur unzählige gute Tipps, welche Pflanzen einander im Wachstum unterstützen und Schädlinge fernhalten. Wenn Zierpflanzen stark von Schädlingen befallen sind, ist das meist ein klares Signal dafür, dass sie am falschen Ort stehen. Ersetz sie durch eine besser angepasste, widerstandsfähigere Pflanze, statt Pestizide zu sprühen. Und bei Wildpflanzen wie Pfaffenhütchen, Traubenkirsche oder Witwenblumen gehört ein saisonaler Befall mit Raupen oder Läusen zum natürlichen Zyklus. Die Pflanze überlebt ihn problemlos, und unzählige Vögel und andere Insektenfresser profitieren davon.
2. Dünger
Jene Stoffe, die unsere Gewässer derzeit am stärksten belasten, sind keine Pestizide, sondern Nitrat und Phosphat aus Dünger, Mist und Gülle. Dünge deshalb generell nur Nutzpflanzen und Topfpflanzen. Zier- und Wildpflanzen brauchen keinen Dünger. Verwende Feststoffdünger wie Kompost, Kaffeesatz oder Mist, in denen die Nährstoffe gut gebunden sind und nicht gleich ins Grundwasser abfliessen. Gib immer nur kleine Mengen, dafür häufiger, statt alles auf einmal.
3. Mähroboter und andere Rotormäher
Jede Klinge, die sich dreht, häckselt das Gras in kleine Stücke. So sterben viel mehr Insekten als bei einem Balkenmäher oder einer traditionellen Sense, die jeden Halm nur einmal durchschneiden. Besonders schlimm treffen Rotormäher grössere Insekten wie Grashüpfer und Schmetterlingsraupen. Bei Mährobotern kommt noch dazu, dass sie viel zu oft unterwegs sind, dass die Klinge viel zu weit unten liegt, und dass sie auch gut sichtbare Kleintiere wie Schnecken, Eidechsen oder Igel rücksichtslos überfahren.
Kurz: Verwende keinen Mähroboter und mäh deine Wiese, wenn möglich, mit Sense oder Balkenmäher.
Wenn du nichts anderes hast als einen handelsüblichen Rotor-Rasenmäher: Stell ihn so hoch ein, wie es geht, und mäh streifenweise nur die eine Hälfte der Wiese; die andere erst 3-4 Wochen später. Such dir zum Mähen einem warmen Tag aus, an dem die Insekten aufgewärmt sind und vor dem Mäher fliehen können.
Auf dem Balkon
Auf dem Balkon sind deine Möglichkeiten etwas begrenzter als im Garten, aber auch ein Balkon kann vielen Insekten Nahrung und Unterschlupf bieten. Hier sind die drei grössten Hebel:
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Viele Insekten sind auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert – allein unter Schmetterlingsraupen, Blatt- und Rüsselkäfern, Wanzen und Zikaden gibt es Hunderte spezialisierte Arten.
Viele Wildstauden wachsen auch gut in Töpfen, einige auch in Balkonkistchen. Sie werden dort weitgehend von denselben Insekten besucht wie im Garten, und zusammen mit ihren Besuchern können sie jedem Geranium und jeder Prunkwinde das Wasser reichen.
Für Balkonkistchen eignen sich vor allem trockenheitsresistente Pflanzen, die sonst auf mageren, felsigen Böden wachsen. Im Kistchen solltest du ihnen aber gute Gartenerde geben, die viel Wasser speichern kann – denn je kleiner der Topf, desto schneller trocknet er ohnehin schon aus. Auch für schattige Balkone gibt es viele geeignete Wildpflanzen, sie sind aber nicht dieselben wie jene für sonnige Balkone.
Welche Stauden zu deinem Balkon passen, zeigt dir der Gratis-Pflanzenfinder www.regioflora.ch. Wenn du gefährdete Wildbienen speziell fördern möchtest, hilft dir das ebenfalls kostenlose Web-Tool www.bee-finder.ch. -
Nicht nur Stauden haben ihre spezialisierten Bestäuber und Pflanzenfresser. Auch mit einheimischen Sträuchern kannst du den Insekten eine Freude machen. Nicht alle Arten funktionieren auch im Kübel, aber einige leben da sehr gut.
Sträucher in Kübeln auf dem Balkon haben oft etwas mehr Trockenstress als Sträucher im Garten. Das macht sie sehr attraktiv für Schmetterlingsraupen, die sich leicht geschwächte Pflanzen aussuchen. Einige sehr schöne Arten legen gerne an Sträuchern auf sonnigen Balkonen ihre Eier ab: der Grosse Schillerfalter an Zitterpappel, der Zitronenfalter und der Kreuzdorn-Zipfelfalter an Purgier-Kreuzdorn, der Segelfalter und mehrere Zipfelfalter an Schwarzdorn und Felsenkirsche. Auf schattigen Balkonen dient die Rote Heckenkirsche dem Hummelschwärmer und dem Kleinen Eisvogel als Raupennahrung.
Welche einheimischen Sträucher für deinen Balkon die richtigen sind, zeigt dir der Gratis-Pflanzenfinder www.regioflora.ch. -
Die meisten Insekten werden sich keinen Balkon als Kinderstube suchen. Sie brauchen Strukturen wie tiefgründige Böden, grössere Gewässer oder dicke Baumstämme, die auf einem Balkon kaum Platz finden. Es gibt aber einige Nisthilfen, die auch auf dem Balkon gut funktionieren:
Eine tolle Nisthilfe für Wildbienen und Totholzkäfer ist ein aufrechtes, 30-100 cm langes und mindestens 20 cm dickes Stück von einem Ast oder Baumstamm, intakt mit Rinde, am besten hartes Laubholz wie Eiche, Esche, Buche oder Obstbäume. Auf der Süd-, Südost- und Südwestseite werden Löcher mit etwa 10 cm Tiefe und verschiedenen Durchmessern zwischen 2 und 8 Millimetern in die Rinde gebohrt, um Wildbienen jeder Grösse einen Brutplatz zu bieten. Das Holzstück wird an einem trockenen, sonnigen Ort aufgestellt. Um es etwas länger haltbar zu machen, kannst du die Schnittfläche des Holzstücks mit einem Stück Blech oder Plexiglas abdecken.
Weitere Elemente, die von gewissen Wildbienen als Nistplätze genutzt werden, sind:
o Steilwände aus gepresstem Lehm oder Sand, die sich auch in einem Eternitkasten anlegen lassen
o sauber angeschnittene Schilf- und Bambusröhrchen, die mindestens 10 cm lang, 2-10 mm dick und nur auf einer Seite offen sind
o Strangfalzziegel, regengeschützt und mit den Löchern nach aussen platziert
Die in «Insektenhotels» so beliebten Abteile mit Backsteinen, Kiefernzapfen, gestapelten Schneckenhäuschen und Holzwolle dienen hingegen keiner Wildbiene und auch sonst praktisch keinem Insekt als Kinderstube. Auch die meisten im Handel erhältlichen Hummelnester werden kaum besiedelt, und erst recht nicht auf Balkonen.
Wichtige Kinderstuben für andere Insekten:
Tausende Käfer- und Fliegenarten, Holzwespen und diverse andere Insekten nutzen Totholz als Kinderstube. Nicht wenige von ihnen nehmen auch Totholz auf Dächern und Balkonen an. Hier gilt generell: Je dicker, desto besser. Laubholz beherbergt andere (und deutlich mehr) Arten als Nadelholz. Im Gegensatz zu den meisten Wildbienen fliegen Totholzkäfer und -fliegen nicht nur sonnige Balkone an. Viele Arten legen ihre Eier auch im Schatten ab.
Viele weitere Insekten leben als Larve im Wasser. Ein paar von ihnen, darunter eine Handvoll Libellen, nehmen auch Balkonteiche an. Ein Balkonteich ist eine Metall- oder Emailwanne, die mit Wasser, Kies und Wasserpflanzen zu einem Mini-Teich umgestaltet wurde.
Eine gute Anleitung für Anlage und Pflege eines Balkonteichs finden Sie hier.
Wichtig ist, dass ein Holzstück oder ein flacher Stein am Rand des Wassers platziert wird, was ins Wasser gefallenen Insekten einen Ausstieg ermöglicht.
In der Landwirtschaft
Da beim Thema Landwirtschaft die Emotionen sofort hochkochen, lasst uns das Thema erst einmal nüchtern einordnen:
Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Landwirtschaftsland das Zentrum der Insektenvielfalt in der Schweiz. Die traditionelle Landwirtschaft mit wandernden Viehherden, mageren Wiesen, kleinen Feldern und zahlreichen Kleinstrukturen wie Hecken und Buntbrachen trug mehrheitlich positiv zu dieser Vielfalt bei. Seit der Industrialisierung der Landwirtschaft in den Fünfziger- und Sechzigerjahren hat sich dies dramatisch verändert – die Landwirtschaft ist heute der Haupttreiber des Insektensterbens. Dies liegt vor allem am grossflächigen Einsatz von Pestiziden und Dünger, der Umstellung von Wanderhirten auf Dauerweiden und Viehställe sowie den ausgeräumten, für grosse Maschinen optimierten Feldern und Nutzwiesen.
All diese Entwicklungen wurden von Agrochemiefirmen, Grossbauern und bürgerlichen Politikern angetrieben und können keineswegs den einzelnen Bauernfamilien zur Last gelegt werden. Im Gegenteil, diese leiden mit: Neben den Insekten hat auch die Anzahl der Höfe und der landwirtschaftlichen Arbeitsplätze dramatisch abgenommen. Dies, weil die modernen Produktionsmethoden viel grössere und riskantere Investitionen erfordern, was ein Kleinbetrieb kaum zu stemmen vermag. Der ökonomische Druck und die finanzielle Unsicherheit sind auch die Haupttreiber hinter der hohen Depressions- und Suizidrate in der Bauernschaft.
Wer jetzt denkt, dass das alles nötig ist, um die Welt zu ernähren, liegt falsch. Industrielle Höfe produzieren pro Quadratmeter weniger Nahrung als Kleinbauern, Bauerngärten oder sogar Schrebergärten. In klimatisch schwierigen Jahren produzieren sie sogar viel weniger, weil all die Hochleistungssorten auf optimale Bedingungen ausgelegt sind.
Industrielle Landwirtschaft ist nicht besonders produktiv – bloss profitabel, weil sie wenig Arbeit erfordert und Arbeit teuer ist. Aber Arbeit und Geld sind weniger knapp als gutes Land. Aktuell werden immer noch riesige Naturflächen zerstört, um neues Land für die Nahrungsmittelproduktion zu gewinnen. In Südostasien, im Amazonas, in West- und Zentralafrika brennen Regenwälder; im Süden Südamerikas, in Ostafrika und in Indien werden grosse Savannengebiete gerodet und gepflügt. Damit können wir entweder so lange weitermachen, bis nichts mehr übrig ist. Oder wir können eine Landwirtschaft aufbauen, die mit dem Land wirtschaftet, statt nur mit Geld.
Was können wir als Gesellschaft tun?
Die Lösungen im Ackerbau sind bekannt. Weltweit gibt es hochproduktive agrarökologische Methoden, oft mit jahrhundertelanger Tradition, die die Insektenwelt fördern statt bekämpfen, die Böden schonen und pro Quadratmeter deutlich höhere und konstantere Erträge erzielen als die industrielle Landwirtschaft. Sie reichen von der jahrtausendealten zentralamerikanischen Milpa («Indianerbeet») über die amazonischen und polynesischen Waldgärten, die traditionellen europäischen Schreber- und Bauerngärten oder asiatische Aquakulturen mit Fischen und Reis bis hin zu Erfindungen der letzten Jahrzehnte wie den kubanischen Organoponicos oder dem in Kenia entwickelten Push-Pull-Maisfeld. Mit solchen Methoden könnten wir auf einer deutlich kleineren Fläche als heute mehr als genug Nahrung für die ganze Weltbevölkerung produzieren.
All diese Anbausysteme haben allerdings etwas gemeinsam: Sie erfordern mehr Arbeit und meist auch etwas mehr Fachwissen als industrielle Anbaumethoden. Darum sind sie momentan nur in armen Ländern rentabel, und sie sind den meisten Bäuerinnen und Bauern unbekannt.
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Wir bauen unser Direktzahlungssystem um, so dass es sich nach der Anzahl Arbeitskräfte und dem Flächenertrag richtet, statt wie heute vor allem nach der Flächengrösse.
Wir sorgen für faire Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft, so dass die Bäuerinnen und Bauern genug Zeit und Raum haben, um sich mit ihren Methoden auseinanderzusetzen.
Wir fördern die Entwicklung von Landmaschinen, die Mischkulturen bearbeiten können.
Wir schulen mit der Zeit sämtliche Bauernbetriebe auf agrarökologische Methoden um und verbieten oder verunmöglichen anschliessend die umweltschädlichen Methoden.
Wir beschränken in der Zwischenzeit die Gewinnmargen für Bioprodukte. Heute behandeln die Detailhändler ihre Bio-Linien wie Luxuslinien. Sie verhindern damit, dass nachhaltig produzierte Lebensmittel mehrheitsfähig werden, und schöpfen grosse Gewinne ab, mit denen sie teilweise sogar Aktionen querfinanzieren und schlecht hergestellte Billigprodukte noch billiger machen. Zudem fliesst ein grosser Teil der Bio-Direktzahlungen auf diesem Weg in die Taschen der Detailhändler. Dürfte der Preisunterschied zwischen Bio- und konventionellen Produkten im Laden nicht mehr viel höher sein als der Preisunterschied beim Einkauf, könnten sich viel mehr Menschen Bioprodukte leisten, ohne dass die Bauernbetriebe weniger verdienen.
Wir fördern besonders in trockenen Regionen die Wiedervernässung von trockengelegten Weihern, Schwemmwiesen, Mooren und Sümpfen, die als saisonale Wasserspeicher für die Landwirtschaft dienten. Da dies oft mit einem Verlust an Agrarland für einzelne Höfe zusammenhängt, müssen diese Betriebe dafür angemessen entschädigt werden, so dass alle profitieren.
Ebenfalls als Sofortmassnahme in trockenen Regionen wäre es sinnvoll, den Anbau durstiger Feldfrüchte wie Mais, Kartoffeln oder Beeren zu beschränken und stattdessen trockenheitsresistentere Pflanzen wie Weizen, Süsskartoffeln, Safran oder Knoblauch zu fördern.
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Das erste, grundsätzlichste Problem ist der Flächenverbrauch. Tierische Produkte machen weltweit nur 20% der Kalorien aus, die wir essen. Aber für Viehzucht und Viehfutter verwenden wir 80% der weltweiten Landwirtschaftsfläche, darunter mehr als ein Drittel der guten Ackerböden, auf denen wir auch unser eigenes Essen anbauen könnten. Dieses System ist an sich nicht nachhaltig. Und würden alle Menschen so viel Fleisch essen wie wir Schweizerinnen und Schweizer, müssten wir die gesamte weltweite Anbaufläche für die Fleischproduktion einsetzen. Hier gibt es keine andere Lösung als eine Reduktion unseres Fleischkonsums.
Das zweite Problem ist deutlich einfacher lösbar: die Nährstoffbilanz. Derzeit werden Millionen Tonnen an Futtermitteln auf der Südhalbkugel angebaut und nach Europa und Nordamerika verschifft. Dort entstehen aus einem Kilogramm Kraftfutter weniger als 100 Gramm Rindfleisch, aber mehr als 900 Gramm Mist und mehrere Liter Gülle. Wir importieren statistisch gesehen vor allem Scheisse. Diese überschüssigen Nährstoffe sind ein riesiges Problem für die Biodiversität: Sie überdüngen unsere Wiesen und Weiden, verschmutzen unsere Gewässer und fehlen auf den Kontinenten, wo die Futtermittel herkamen.
Auch wenn die Fleischindustrie und gewisse Tierschutzkreise das Gegenteil behaupten: Importiertes Fleisch ist für unsere Natur sehr, sehr viel weniger schlimm als importierte Futtermittel.
Das dritte Problem ist die Klimawirkung des Viehs. Besonders Wiederkäuer wie Rinder und Schafe stossen grosse Mengen an Methan aus, und Mist und Gülle setzen Lachgas und weiteres Methan frei, wenn sie falsch entsorgt werden. Dieser Klimaeffekt kann aber deutlich abgemildert werden, indem das Vieh wieder in Herden übers Land getrieben wird. Wenn der Mist direkt auf abgeweideten Flächen landet und von Mistkäfern und Regenwürmern tief im Boden vergraben wird, entsteht kaum Lachgas. Und es wird dabei so viel Kohlenstoff im Boden eingelagert, dass die Klimabilanz des Viehs deutlich weniger schlecht ist. Ob Weidehaltung unter dem Strich sogar klimapositiv sein könnte, ist umstritten und wird momentan untersucht. Es ist allerdings sehr schwierig, als einzelner Hof auf diese Art von Weidehaltung umzustellen.
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Wir senken den Viehbestand auf ein Niveau, das ohne Futtermittel-Importe auskommt. Dies löst das Problem der Nährstoffbilanz schon mal fast vollständig, bevor Verzicht überhaupt ins Spiel kommt.
Wir stellen den restlichen Grossviehbestand Tal für Tal wieder auf die Beweidung mit Wanderhirten um und unterhalten grosse, koordiniert bewirtschaftete Weidelandschaften. So verringern wir die Klimawirkung der Viehhaltung, vereinfachen die Pflege diverser Naturschutzgebiete, verringern die Erosion und machen unsere Landschaft durchlässiger und attraktiver. In reichen Ländern müsste sich dies mit einer Umschichtung von Agrarsubventionen, Tourismus-, Naturschutz-, Bodenschutz- und Klimaschutzgeldern budgetneutral umsetzen lassen.
Eine einfachere Massnahme, die in dieselbe Richtung geht, ist die verstärkte Förderung von einheimischen Feldbäumen auf Wiesen und Weiden (silvopasture) sowie von Alleen und Hecken im Landwirtschaftsland allgemein. So lässt sich sehr viel mehr Kohlenstoff speichern, und jeder Baum ist ein Lebensraum für unzählige Insekten.
Wir setzen Anreize für die Senkung des Fleischkonsums, beispielsweise:
o Wir verzichten auf jede Absatzförderung für Fleisch und Milchprodukte.
o Wir senken die Hürden für Produktion und Vermarktung pflanzlicher Fleisch- und Milchersatzprodukte und fördern diese aktiv.
o Wir streichen die strengen Mindestauflagen für den Fleischgehalt von Würsten, Hamburgern und anderen verarbeiteten Fleischprodukten und setzen stattdessen geschmackliche Kriterien.
Wir verbieten in der Viehhaltung Entwurmungsmittel, die für Mistkäfer schädlich sind.
Weitere Richtlinien
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Die wirklich grossen Pflöcke müssen auf der politisch-gesellschaftlichen Ebene eingeschlagen werden. Dennoch hat ein Hof viele Hebel, um Insekten zu fördern.
Folgende Massnahmen sind bei gleichbleibender bis steigender Produktivität möglich:
Für alle Höfe:
o Schaffung von Lehmteichen, als Wasserspeicher und gleichzeitig als Produktionsstätten für Karpfen, Wassernuss, Brunnenkresse, Sumpfziest und andere hochwertige Nischenprodukte
o Hecken und Baumreihen zwischen den Feldern, Wiesen und Weiden (geben Nützlingen Raum, speichern Wasser und brechen den Wind)
Weinbau: Umstellung auf pilzwiderstandsfähige Sorten, anschliessend pestizidfreier Anbau und periodische Beweidung mit kleinen Schafrassen statt Herbizideinsatz
Ackerbau generell:
o Verwendung von möglichst vielen verschiedenen, möglichst resistenten Sorten (hemmt die Ausbreitung von Krankheiten und reduziert die Ausfälle durch Pilzbefall)
o Aufteilung grosser Felder in mehrere maschinenbreite Streifen mit verschiedenen Feldfrüchten
o Anschaffung von leichteren Maschinen, die zu weniger Bodenverdichtung führen
o Bewässerung nur wenn wirklich nötig, Tröpfchenbewässerung statt Sprinkler
o Zwischenfrüchte und Stoppelfelder statt kahle Böden
o Ausbringung von Mist und Gülle in kleineren Mengen, dafür etwas öfter (verringert Abfluss in Gewässer, Luft und Grundwasser)
o Verzicht auf die pestizidbedürftigen, ökologisch wenig sinnvollen und für unsere Ernährung vollkommen unwichtigen Feldfrüchte Raps und Zuckerrüben (Sonnenblumenöl, bzw. importierter Rohrzucker ist in jeder Hinsicht ökologischer)
o Anstelle von aufwändigen Drainagen: Wiedervernässung feuchter Felder und Anbau von Reis, Brunnenkresse oder Cranberries
o Für Höfe in Siedlungsnähe: Verpachtung gewisser Ackerflächen an die Bevölkerung als pestizidfreie Schrebergärten (Schrebergärten sind deutlich produktiver und artenreicher als grosse Felder)
Getreideanbau:
o Maschinell bearbeitbare Mischkulturen (Weizen/Erbsen oder Roggen/Linsen) statt Monokulturen
o Einsaat von Ackerbegleitpflanzen wie Mohn und Kornblumen
Maisanbau: Kleeuntersaat, die den Herbizideinsatz und einen Teil des Stickstoffdüngers ersetzt
Insektenbestäubte Feldfrüchte und Beerenkulturen: mehrjährige Blühstreifen auf bis zu 5% der Ackerfläche steigern den Ertrag so stark, dass sie ihren eigenen Flächenverbrauch mehr als kompensieren
Obstbau:
o Eine möglichst hohe Vielfalt verschiedener Arten und Sorten nebeneinander verbessert die Bestäubung und mindert die Ausbreitung von Krankheiten
o Ansaat und Pflege einer artenreichen Fettwiese zwischen den Bäumen
Weidehaltung:
o Verzicht auf präventive Entwurmungsmittel oder Umstellung auf ein Produkt, das für Mistkäfer unbedenklich ist (eine hervorragende Übersichtstabelle, leider nur auf Englisch, finden Sie am Ende dieses Artikels: https://dungbeetles.co.nz/establishing-dung-beetles-and-using-chemicals-for-internal-external-control-of-livestock-pests/)
o Umstellung auf schnelle, dichte Rotationsbeweidung (mob grazing) erhöht den Ertrag und die Artenvielfalt, verhindert die Übertragung von Darmparasiten und macht eine Nachmahd oft unnötig. Dies ist die kleinräumige Alternative zu Hirtenweiden.
o Pflanzung von pflegeleichten, einheimischen Feldbäumen auf den Weiden (silvopasture)
o Verzicht auf das Abfräsen und Einebnen hügeliger Weiden
Folgende Massnahmen sind äusserst sinnvoll für die Insektenwelt, aber senken zumindest teilweise die Produktivität des Hofs:
Umstellung auf bioorganischen oder biodynamischen Landbau nach heutigen Standards
Reduktion des Viehbestands auf ein Niveau, das ohne importierte Futtermittel auskommt (Lösung für die Überdüngung der Böden und der Gewässer)
Wiedervernässung von Mooren und anderen Feuchtgebieten als Wasserspeicher (vermindern die landwirtschaftliche Fläche, aber machen die Region als Ganzes widerstandsfähiger und produktiver in trockenen Jahren)
Extensivierung von Wiesen, Verzicht auf Bewässerung und mehr als zwei Schnitte im Jahr
Pflege von Hochstamm-Obstgärten anstelle von Niederstammplantagen
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Im Schweizer Forst wird seit einigen Jahren deutlich mehr auf den Naturschutz geachtet. Viele der bestehenden Massnahmen sind auch für Insekten sehr nützlich, zum Beispiel gestufte Waldränder, Habitatbäume, Altholzinseln, Natur-, Eichen- und Föhrenwaldreservate. Es könnte aber noch deutlich mehr getan werden. Hier sind die grössten Hebel für Insektenförderung im Forstbereich:
Was können wir als Gesellschaft tun?
Das Generationenprojekt «ökologische Infrastruktur» schneller umsetzen als geplant. Dieses soll Wälder und andere Lebensräume wieder stärker miteinander vernetzen, was vor allem im Mittelland wichtig ist.
Waldreservate verstärkt fördern
Aufgrund der übermässigen Beweidung in vergangenen Jahrhunderten enthält unser Waldschutzgesetz ein recht striktes Verbot von Waldweiden. Diese sind aber, schonend bewirtschaftet, unglaublich wertvolle Insektenlebensräume. Hier könnten wir die Hürden deutlich senken.
Grosswild in den Wäldern erzielt ähnliche Effekte wie Waldweiden. Die Rückkehr des Rothirschs und die Wiederansiedlung von Elch und Wisent brauchen aber ebenfalls gute politische Rahmenbedingungen und Begleitmassnahmen. Und auch Raubtiere gehören zu einer gesunden Grosstierfauna.
Was können Forstbetrieb und private Waldbesitzer:innen tun?
Verstärkter Einsatz von gut durchmischten Wäldern, Verzicht auf Monokulturen jeder Art
Anlage von Waldweihern und Wiedervernässung von Sumpfwäldern
Verzicht auf nichtheimische Bäume wie Robinien, Douglasien oder Roteichen; diese beherbergen eine deutlich geringere Insektenvielfalt als ihre heimischen Verwandten
Bei der Bereitstellung von Totholz auf möglichst dickes Holz achten; Asthaufen mit den dicksten Ästen nach aussen aufschichten
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Die grössten Hebel für den Schutz und die Förderung der Insekten liegen im Bereich der Politik. Als Konsument:innen allein können wir weniger tun – aber nicht nichts. Hier sind die besten Entscheidungen, die Sie im Laden zugunsten der Insekten treffen können:
Kaufen Sie Lebensmittel und Kleider wenn immer möglich in Bio-Qualität (Knospe oder Demeter). Dies gilt nicht nur für Pflanzliches, sondern auch und ganz besonders für Fleisch und Milchprodukte – beim Anbau von Futtermitteln werden oft stärkere Pestizide eingesetzt als beim Anbau von Nahrungsmitteln.
Verzichten Sie generell auf Produkte, die mit besonders hohem Pestizideinsatz hergestellt wurden (z.B. Rapsöl, Rübenzucker, Avocados, frische und getrocknete Früchte aus der Türkei).
Kaufen Sie Pflanzen nie im Baumarkt, wo praktisch jede Pflanze mit Gift behandelt und mit sehr klimaschädlicher torfhaltiger Erde herangezogen wurde.
o Berücksichtigen Sie stattdessen eine Biogärtnerei (einen Überblick gibt es unter www.bioterra.ch), eine Forstbaumschule, einen Setzlingsmarkt oder wenigstens eine Fachbaumschule oder ein Fachgartencenter, das auf Torf verzichtet.
o Greifen Sie bei Gartenpflanzen wenn immer möglich zu einheimischen Arten (Orientierung bietet der Gratis-Pflanzenfinder www.regioflora.ch).
o Für Zimmerpflanzen gibt es unzählige Internet-Marktplätze, wo selbstgezogene Stecklinge gehandelt werden.
Verzichten Sie auf Produkte, die per Flugzeug transportiert wurden. Dazu gehören auch die meisten im Laden erhältlichen Schnittblumen.
Achten Sie bei Chemikalien (Putzmittel, Leim, Lösungsmittel etc.) auf die Warnhinweise:
o Verzichten Sie auf Produkte, die für Wasserorganismen schädlich sind.
o Verzichten Sie auf Pestizide für Garten- und Zimmerpflanzen wenn möglich vollständig. Falls Sie dies nicht übers Herz bringen, beschränken Sie sich auf Mittel, die für den Bioanbau zugelassen sind.
o Entsorgen Sie alle Chemikalien fachgerecht, wie auf der Packung beschrieben.
Bei Holz gibt es noch keine zufriedenstellende Zertifizierung. Das FSC-Label und das WWF-Logo sind besser als nichts, aber vermögen Holz aus problematischen Quellen auch nicht vollständig auszuschliessen. Achten Sie besser auf das Herkunftsland. Vermeiden Sie Tropenholz, russisches und chinesisches Holz sowie Holz ohne Herkunftsangabe. Bevorzugen Sie wenn immer möglich Schweizer Holz.
Achten Sie bei Wein auf pilzwiderstandsfähige Sorten (PIWI). Diese sind weniger bekannt als die klassischen, ergeben aber auch exzellente Weine. Die Umweltbilanz von PIWI-Weinen ist nochmals deutlich besser als jene von Bio-Weinen, da auch im Bio-Weinbau viel giftiges Kupfer und Schwefel eingesetzt wird. Angenehmer Nebeneffekt: PIWI-Weine sind oft günstiger als bekanntere Sorten.
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Die Klimawirkung der Schweiz als Finanzplatz ist x-mal höher als jene der Schweizer Bevölkerung. Beim Thema Biodiversität/Insektensterben ist dies nicht anders. Wie wir unser Geld anlegen, ist absolut zentral.
Bankkonten und Anlagen
Fragen Sie Ihre Bank nach nachhaltigen Anlagefonds und prüfen Sie diese – denn auch hier gibt es keinen zuverlässigen Standard. Schliessen Sie wenn möglich Branchen und Firmen aus, die sehr stark zum Insektensterben beitragen. Dies sind vor allem folgende:
Agribusiness, inklusive Hersteller von Pestiziden und Kunstdünger
Lebensmittelmultis, inklusive Restaurantketten
Rohstoffförderer und -händler
Betreiber und Erbauer von fossilen Kraftwerken und Wasserkraftwerken, sowie deren Zulieferer
Falls Ihre Bank keine entsprechenden Anlagemöglichkeiten bietet, wechseln Sie am besten zu einer anderen.
Pensionskassenvermögen
Pensionskassenfonds gehören zu den grössten Anlegern der Welt. Ihre Anlagen sind nochmals wichtiger als private Bankkonten. Die Wirkung dieser Anlagen auf die Biodiversität wird bisher, wie bei den Banken, leider noch kaum untersucht. Gute Daten gibt es aber für ihre Klimawirkung, die die nächstbeste Orientierungshilfe ist. Sie finden sie, stets aktuell, bei der Klima-Allianz: https://www.klima-allianz.ch/kampagnen/pensionskassen/
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In der Tierhaltung gibt es ein paar kleinere, aber dennoch wichtige Punkte, die das Insektensterben betreffen:
Einige Entwurmungsmittel für Nutz- und Haustiere werden mit dem Kot ausgeschieden und schädigen Mistkäfer in extremem Mass, vor allem die Gruppe der Avermectine. Verzichten Sie auf präventive Entwurmungsmittel und stellen Sie für die notwendigen Behandlungen auf ein Produkt um, das für Mistkäfer unbedenklich ist. Eine hervorragende Übersichtstabelle, leider nur auf Englisch, finden Sie am Ende dieses Artikels: https://dungbeetles.co.nz/establishing-dung-beetles-and-using-chemicals-for-internal-external-control-of-livestock-pests.
Einige Floh- und Zeckenpräparate für Haustiere, namentlich jene mit den Wirkstoffen Fipronil und Imidacloprid, finden sich trotz der vermeintlich lokalen Anwendung in bedenklicher Konzentration in Bächen und Flüssen, wo sie Fische und Wasserinsekten stark schädigen. Verzichten Sie auf präventive Flohbehandlungen und diskutieren Sie weniger umweltschädliche Alternativen mit Ihrer Tierärztin.
Achten Sie auch bei Tierfutter darauf, möglichst zu Bio-Produkten zu greifen. Bevorzugen Sie bei Hundefutter Produkte mit einem artgerechten, aber möglichst tiefen Fleischgehalt.
Aquaristik: Entsorgen Sie überschüssiges Wasser konsequent in der Toilette und Substrat, Wasserpflanzen und tote Tiere im Kehricht. Nie in Gewässern oder im Kompost, da sich so Krankheiten und invasive Arten ausbreiten können, was schon mehrfach passiert ist.
Terraristik: Entsorgen Sie tote Terrarientiere und nicht gefressene Futtertiere auf alle Fälle im Kehricht. Lassen Sie sie niemals frei; so verbreiten sich Krankheiten und invasive Arten.